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Für uns ist eine - sagen wir - "Schlüsselfrage" zum Mauerfall nie befriedigend beantwortet worden. Nämlich: Was hatte es eigentlich mit diesem ominösen Zettel auf sich, mit dem Günther Schabowski in der berühmtesten Pressekonferenz der deutschen Geschichte auftrat. Schnell entdeckten wir, dass sich an diesem Fetzen Papier, den Schabowski so verzweifelt zu entziffern versucht, das ganze Drama des Mauerfalls erzählen lässt. Das hat so noch keiner im Fernsehen getan. Daher war es nur konsequent, den Zettel sozusagen zur Hauptfigur unseres Filmes zu machen.
Mehr als alle glauben. Den wenigsten Deutschen ist vermutlich klar, welche Akteure in den letzten 24 Stunden vor dem Mauerfall handelten beziehungsweise welche Aktionen abliefen und wie viele Zufälle und Pannen dazu beitrugen, dass die Mauer so fiel, wie sie fiel. Das versuchen wir möglichst spannend darzustellen. Darüber hinaus haben wir - man will es eigentlich kaum glauben - noch ungesendetes Originalmaterial vom 9. November gefunden, das einen authentischen Eindruck von der Stimmung in Berlin am Tag der Tage vermittelt. Und wir haben ein englisches Interview mit Günter Schabowski vom 9. November ausgegraben, in dem er nach der Pressekonferenz noch einmal und unmissverständlich radebrecht, dass die Mauer nun offen sei. Wir haben also wieder einen neuen Anlass, darüber zu diskutieren, ob Schabowski nun wusste, was er tat oder nicht.
Nur die Dramaturgie einer 24-stündigen Chronik kann die parallelen Handlungsstränge darstellen. So wird klar, warum alles im Mauerfall enden musste, den keiner der handelnden Personen wollte. Außerdem ist es eine filmische Darstellungsform, die im Krimi sehr gut funktioniert, und für uns ist der Mauerfall auch eine Art historischer Krimi.
Das war gar nicht so einfach. Wir haben Schabowski und alle anderen Hauptpersonen des Films gefragt. Keiner hatte mehr das Original. Eine Abschrift vom selben Tag fanden wir dann in der Birthler-Behörde.
Wir sind mehrere Tage und Nächte mit Berlin-Kennern durch die Stadt gezogen, auf der Suche nach den Überresten der DDR. So fanden wir eine baugleiche Kopie der Bornholmer Brücke, ein echtes Grenzpostenhäuschen. Unübertroffen ist das ehemalige Stasi-Hauptquartier, in dem wir viele Drehorte fanden, die wir für unseren Film nutzen konnten.
Die Szene, in der eine Arbeitsgruppe im DDR-Innenministerium den späteren "Schabowski-Zettel" verfasst. Hier musste alles stimmen: vom Teppich über Spitzenvorhänge, Stuhlbezüge, Stempelkissen - bis zur Krawattennadel des Stasi-Offiziers. Als Vorlage diente uns ein Originalfoto des Raums, auf dem all diese Details zu erkennen waren.
Am schwierigsten war es, den Originalstempel der Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße zu organisieren.
Oberst Gerhard Lauter war Leiter des Pass- und Meldewesens der DDR. Er musste mit sämtlichen Dienststellen (13.000 Mitarbeiter) ständig Kontakt halten - bis hin zum Innenminister.
Die Nacht als die Mauer fiel - eine Dokumentation.
Kurz vorgestellt: Marc Brasse und Florian Huber, die Autoren und Regisseure hinter "Schabowskis Zettel".
24 Stunden in Berlin, die Deutschland und die Welt veränderten: Szenenfotos aus der Dokumentation "Schabowskis Zettel".
Persönliche Schicksale, Alltag in Ost und West, Begegnungen an der Grenze: Zeitzeugen erinnern sich bei NDR Online an das Wendejahr 1989 im Norden.