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Das Beste am Norden
Geschichte

Die Barschel-Affäre

Uwe Barschel, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, bei seiner "Ehrenwort-Pressekonferenz", Landeshaus Kiel, 18.09.1987. © NDR/ECO Media/Ingo Wandmacher
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In Schleswig-Holstein ist seit 1982 Uwe Barschel, CDU, Ministerpräsident. Ein junger, ehrgeiziger Politiker. Journalist Erich Böhme kannte ihn durch seine Arbeit: "Barschel war ein sehr eitler, von sich selbst überzeugter Mann, so ein Einser-Jurist, der auch gesagt hat: a) ich kann keine Fehler machen, b) was ich mache, ist richtig und c) ich werde gewinnen. Und so ist Barschel in seine eigene Affäre reingestolpert."

Reiner Pfeiffers Machenschaften

Reiner Pfeiffer, Barschels "Mann fürs Grobe", löste die "Kieler Affäre" aus, Kiel, 1987. © NDR/ECO Media
große Bildversion anzeigen Reiner Pfeiffer, Barschels "Mann fürs Grobe", löste die "Kieler Affäre" aus, Kiel, 1987.

Reiner Pfeiffer ist im Wahlkampf 1987 in der Kieler Staatskanzlei Barschels "Mann fürs Grobe". Er heuert Privatdetektive an, die Belastungsmaterial aus der Intimsphäre des SPD-Kandidaten beschaffen sollen. Denn Björn Engholm, Barschels populärer Gegenkandidat, droht vierzig Jahre CDU-Herrschaft in Schleswig-Holstein zu beenden. Mit illegalen Mitteln soll Engholm bekämpft werden: Telefonate unter falschem Namen, Denunziationen und andere Tricks.

Barschels Ehrenwort

Als die Machenschaften bekannt werden, sieht sich Barschel genötigt, vor die Öffentlichkeit zu treten. Am 18. September 1987 gibt er eine Erklärung ab. "Über diese Ihnen gleich vorzulegenden eidesstattlichen Versicherungen hinaus gebe ich Ihnen, gebe ich den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Schleswig-Holsteins und der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort, ich wiederhole, ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind. Ich danke Ihnen."

Barschels Tod

Wenig später ist offenkundig, dass Barschels Beteuerungen eine Lüge waren. Barschel tritt zurück. In einem Hotel in Genf, nur drei Wochen später. Ein Pressefotograf des "Stern" ist auf Barschels Spuren. Er findet dessen Zimmertür unverschlossen und geht hinein. Die Fotos, die er dort aufnimmt, erschüttern die ganze Republik. Uwe Barschel ist tot.

Erich Böhme analysiert das Geschehen: "Das Gefühl der Leute ihrem Staat gegenüber hat einen entscheidenden Riss bekommen. Der Riss, der bedeutet, es steht ein deutscher Ministerpräsident da und verbürgt seinen Eid den Deutschen gegenüber, und alle wussten bereits, dass es gelogen war, ja? Er ist darüber gestürzt, er ist zu Tode gekommen, ob er sich nun selber gerichtet hat oder hingerichtet worden ist, das vermag ich heute nun nicht mehr zu sehen. Ich gehe davon aus, dass er sich in der Badewanne selbst ertränkt hat."

Björn Engholms Rolle

Björn Engholm, damals Oppositionsführer im Kieler Landtag, wurde im Auftrag von Uwe Barschels Mitarbeiter Reiner Pfeiffer beschattet, Kiel, 1987. © NDR/ECO Media/Ingo Wandmacher Fotograf: Ingo Wandmacher
große Bildversion anzeigen Björn Engholm, Kiel, 1987.

Björn Engholm geht aus den vorgezogenen Neuwahlen als strahlender Sieger hervor. Ein Hoffnungsträger auch für die Bundes-SPD. Doch nach und nach wird klar, dass auch Engholm ein unsauberes Spiel gespielt hat. Er wusste schon vor der Wahl von Barschels und Pfeiffers Machenschaften. Günter Jansen, Minister in Engholms Kabinett, spielte dabei eine Rolle, die neue Verdächtigungen nährt.

Als "Schubladenaffäre" macht die Sache Schlagzeilen. Jansen hat aus einer privaten Schublade hohe Geldbeträge an Reiner Pfeiffer gezahlt, den Gehilfen Barschels - insgesamt mindestens vierzigtausend Mark. War es Schweigegeld? Offenbar wollten führende SPD-Mitglieder Engholms Opferrolle nutzbringend ausschlachten. Sie hatten frühzeitig Kontakt mit Pfeiffer - was niemand wissen soll. Aber es wird doch bekannt. Björn Engholm, inzwischen Chef der Bundes-SPD, steht als Lügner da. Er tritt von allen Ämtern zurück. Ein Polit-Star aus dem Norden ist verglüht.

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