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Am frühen Morgen des 13. Augusts 1961 strebt der Kalte Krieg dem Gefrierpunkt entgegen. Nationale Volksarmee, Volkspolizei und sogenannte Betriebskampfgruppen der DDR marschieren an der Demarkationslinie in Berlin auf, um Deutschland nachhaltig zu teilen. Die politische Führung mag nicht mehr mit ansehen, wie immer mehr Menschen aus der sowjetischen Besatzungszone in den Westen flüchten, und damit den Fortbestand der DDR gefährden.
Seit der Gründung des nach sowjetischem Vorbild aufgebauten Arbeiter- und Bauernstaates haben sich zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als zweieinhalb Millionen Menschen auf den Weg in den Westen gemacht. Die Zonengrenze ist zu diesem Zeitpunkt schon relativ undurchlässig, doch in Berlin gestaltet sich die Kontrolle schwierig. Das kann und will das Ostblock-Regime nicht mehr hinnehmen. Deutschland wird vollends geteilt.
Die Uniformierten reißen das Straßenpflaster auf, rammen Pfähle in die Erde, ziehen Stacheldraht. Keiner soll mehr entkommen. Der Westen reagiert zurückhaltend auf die Aktion, nur zögerlich werden Solidaritätsbekundungen der Amerikaner laut. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy sagte im noch Juni 1961 zu einem seiner Berater: "[Chruschtschow] muss etwas tun, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen – vielleicht eine Mauer. Und wir werden das nicht verhindern können. Ich kann die Allianz zusammenhalten, um Westberlin zu verteidigen. Aber ich kann nichts machen, um Ostberlin offenzuhalten." An Berlins Regierenden Bürgermeister Willy Brandt schreibt er am 18. August: "So ernst diese Angelegenheit auch ist, so stehen uns doch [...] keine Maßnahmen zur Verfügung, die eine wesentliche Änderung der Sachlage in der derzeitigen Situation bewirken können."
Da noch immer Menschen über den Stacheldraht und durch Hausfenster an der Sektorengrenze flüchten, werden auch diese Schlupflöcher gestopft: Statt des Stacheldrahtes entsteht die Mauer, Fenster der grenznahen Häuser werden zugemauert. Es kommt zu verzweifelten Fluchtszenen. Später sollten die grenznahen Häuser ganz weggerissen werden und der Todesstreifen entstehen. Die "endgültige" Trennung Deutschlands ist sehr sorgfältig durchgeplant und organisiert.
Dabei gab sich das Regime vor dem Mauerbau völlig unwissend. Noch im Juni 1961 beteuert der Staatsratvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, auf einer Pressekonferenz: "Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR dazu mobilisieren, eine Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, dass eine solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!" Zynischerweise prägt Ulbricht damit den Begriff "Mauer", bevor es selbige überhaupt gab. Die Glaubhaftigkeit seiner Aussage sollte stellvertretend sein für die typische DDR-Propaganda – bis zum Fall der Mauer im November 1989.
Bis dahin aber sorgt der "antifaschistische Schutzwall" – so der Propaganda-Ausdruck im Osten – mit tödlicher Präzision dafür, dass die Bürger der DDR in ihrem Land gefangen bleiben. Fluchtversuche werden durch Mauern und Zäune, Hundelaufanlagen, Minen, Selbstschussanlagen und mit Schießbefehl ausgestattete Grenzsoldaten mehr oder weniger unmöglich gemacht. Schätzungen zufolge sterben zwischen 1961 und 1989 vermutlich 900 Menschen an der Grenze: Fast 200 Flüchtlinge ertrinken demnach in der Ostsee, mehr als 600 sterben an innerdeutscher Grenze und Berliner Mauer.
Einer der tragischsten Fälle ist verbunden mit dem Namen Peter Fechter: Ein Jahr nach dem Bau der Grenze versucht der 18-Jährige, zusammen mit einem Freund über die Mauer zu klettern. Dem Freund gelingt die Flucht, Fechter jedoch wird, als er sich oben auf der Mauer befindet, von den DDR-Grenzern angeschossen, und fällt zurück auf DDR-Gebiet. Dort schreit er eine Stunde lang um Hilfe, bis er schließlich qualvoll verblutet. Fechters Tod an der Mauer steht exemplarisch für alle, die ihr Leben an der Grenze lassen mussten – ein Symbol für die unmenschliche Gnadenlosigkeit, welche den perfiden Totalitarismus des DDR-Regimes bis 1989 charakterisierte.
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Der RBB dokumentiert anhand von Bildern, Textdokumenten und Original-Tönen die letzten Wendetage von Oktober 1989 bis März 1990.