Seitenanfang.Direkt zum Inhalt Direkt zur Bereichsnavigation Direkt zu den Zusatzinformationen
Im Streit um die umweltrechtlichen Genehmigungsauflagen für das geplante Steinkohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg zeichnet sich eine Lösung ab. Vattenfall erwägt einem Bericht des "Hamburger Abendblatts" (Freitagsausgabe) zufolge, einen sogenannten Hybrid-Kühlturm auf dem Kraftwerksgelände zu errichten. Bislang wollte der schwedische Energiekonzern zur Kühlung große Mengen Wasser aus der Elbe entnehmen und erhitzt zurückleiten. In ihren Auflagen zur Genehmigung des Kraftwerks hatte die Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) die Menge des Elbwassers, die Vattenfall entnehmen darf, jedoch beschränkt, sodass das Kraftwerk an 250 Tagen im Jahr gedrosselt laufen müsste. Der aufwendige und kostspielige Kühlturm würde das Problem entschärfen.
Dem Bericht zufolge liegt der Behörde bislang kein formeller Antrag für einen Hybrid-Kühlturm vor, es werde jedoch nach einem Termin gesucht, bei dem Vattenfall die Pläne vorstellen soll. "Wir wollen das Konzept des Konzerns sehen, um die Pläne im Anschluss bewerten zu können", sagte BSU-Sprecher Volker Dumann. Für Vattenfall ist der Hybrid-Kühlturm eine von verschiedenen Möglichkeiten, um das Kohlekraftwerk unter den von Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) verlangten Voraussetzungen für die wasserrechtliche Genehmigung zu betreiben. Allerdings gibt es Vattenfall-Sprecherin Sabine Neumann zufolge auch im Unternehmen noch keine abschließende Entscheidung.
Die geschätzten Kosten für einen Hybrid-Kühlturm liegen dem "Abendblatt" zufolge im hohen zweistelligen Millionenbereich. Seit Anfang April klagt Vattenfall vor dem Internationalen Weltbank-Schiedsgericht (ICSID) in Washington gegen die Bundesrepublik Deutschland. Die Klage könnte das Ziel haben, diese Kosten an den Bund abzuwälzen. Das Blatt beruft sich bei dieser Vermutung auf Verwaltungsexperten. Ende Februar war bekannt geworden, dass der Bau in Moorburg insgesamt bis zu 600 Millionen Euro teurer als geplant werden könnte. Bislang war Vattenfall von Kosten von rund zwei Milliarden Euro ausgegangen.
Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) betrachtet den Hybrid-Kühlturm in der Frage der Gewässerökologie als einen "Fortschritt". Der Energieverbrauch einer solchen Lösung sei allerdings hoch, sodass der Wirkungsgrad des Kraftwerks im Zusammenspiel mit der von Vattenfall angekündigten Kohlendioxid-Abscheidung auf unter 35 Prozent sänke. "Effiziente und moderne Kraftwerkstechnik sieht anders aus", sagte BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch. Im November 2008 hatte der BUND wegen der befürchteten ökologischen Auswirkungen auf die Elbe gegen die Genehmigung geklagt.
Im vergangenen Herbst hatte Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) nach monatelangem Streit das Kraftwerk unter vielfältigen Auflagen genehmigt. Im Kern ging es dabei um wasserrechtliche Auflagen, vor allem die Entnahme und Einleitung des Kühlwassers in die Elbe. Vattenfall reichte rund einen Monat später beim Oberverwaltungsgericht Hamburg Klage ein. Begründung: Die Auflagen verhinderten einen wirtschaftlichen Betrieb des Kraftwerks.
Grund ist nach Angaben des Energiekonzerns Vattenfall unter anderem die verzögerte Genehmigung. (Meldung vom 25.02.2009)
Auch bei gedrosseltem Kraftwerksbetrieb sei der Schaden für die Elbe zu groß. (Meldung vom 07.11.2008)
Andere Auflagen will der Energiekonzern per Widerspruch anfechten. (Meldung vom 30.10.2008)
Die SPD sprach von einer "Schmierenkomödie", die Grünen verteidigten sich. (Meldung vom 01.10.2008)
Für den Bauherrn Vattenfall gibt es hohe Auflagen. (Meldung vom 01.10.2008)