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NDR Info Reportage

NPD-Politiker Jürgen Rieger ist tot

Jürgen Rieger nimmt in Hamburg an einer Demonstration von Rechtsextremisten teil © dpa
große Bildversion anzeigen Jürgen Rieger starb im Alter von 63 Jahren. (Archivfoto)

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Der rechtsextreme Anwalt Jürgen Rieger aus Hamburg ist tot. Wie die Familie des 63-Jährigen bestätigte, wurden am Donnerstag gegen 13 Uhr die intensivmedizinischen Maßnahmen eingestellt. Rieger hatte am Sonnabend während einer Sitzung des NPD-Parteivorstandes in Berlin einen Schlaganfall erlitten und war ins Koma gefallen. Der vermögende Neonazi hatte durch seine Immobiliengeschäfte immer wieder Verunsicherung und Proteste ausgelöst. Besonders betroffen war zuletzt der Landkreis Celle in der niedersächsischen Südheide. In der Stadt Faßberg plante Rieger ein marodes Hotel mit rund vier Hektar großem Grundstück zu erwerben. Am 16. Dezember sollte das Areal versteigert werden. Zwei Jahre lang hatte sich die Stadt Faßberg gegen Riegers Pläne gewehrt. Faßbergs Bürgermeister Hans-Werner Schlitte sagte, die Situation sei jetzt deutlich entspannter, nachdem er von der Erkrankung Riegers erfahren hatte.

"Multifunktionär der rechten Szene"

Mit Jürgen Rieger verliert die rechtsextreme Szene bundesweit einen ihrer aktivsten Köpfe. Besonders schwer trifft dieser Schlag die rechtsextreme NPD, deren stellvertretender Bundesvorsitzender Rieger war. Der vermögende Anwalt hatte die finanziell klamme Partei immer wieder mit sechsstelligen Darlehen über Wasser gehalten. Zugleich war Rieger ein wichtiges Bindeglied zwischen der Partei und den als gewaltbereit geltenden, sogenannten Freien Kameradschaften. Der von Verfassungsschützern als "Multifunktionär der rechten Szene" bezeichnete Rieger verfügte über internationale Verbindungen und knüpfte für die rechte Szene Kontakte zu vermögenden Altnazis.

In der rechten Szene hat die Nachricht von Riegers Tod nach Aussagen von Szeneangehörigen für einen "Schockzustand" gesorgt. Rieger war seit Ende der 60er-Jahre politisch aktiv. Zunächst engagierte er sich in sogenannten "CSU-Freundeskreisen", später rutschte er vollends ins rechtsextreme Milieu ab. Rieger ist vorbestraft wegen Volksverhetzung und Körperverletzung. In einem Interview mit NDR Info hatte er Hitler als "größten Politiker der deutschen Geschichte" bezeichnet.

Gespräche über Nachfolge

Hinter der Kulissen sind in der NPD bereits Gespräche über die Nachfolge von Rieger im NPD-Bundesvorstand geführt worden. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der Vorsitzende der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag, Holger Apfel. Apfel hatte im Streit mit dem NPD-Bundesvorsitzenden, Udo Voigt, beim Bundesparteitag der NPD in Berlin demonstrativ auf einen Vorstandsposten verzichtet. Nach Informationen von NDR Info war es aber in jüngster Vergangenheit zu einer Annäherung von Voigt und Apfel gekommen. Apfel steht für einen "bürgerlichen" Kurs der NPD. Experten befürchten, dass die NPD in Zukunft vermehrt versuchen wird, sich ein "zivilisiertes Image" zu geben und auf Distanz zu den als besonders extrem geltenden Kameradschaften gehen wird. Dies, so befürchten Fachleute, könnte die Attraktivität der rechtsextremen Partei als "Wolf im Schafspelz" wieder erhöhen. Der als besonders rassistisch geltende Jürgen Rieger wäre bei dieser Neuorientierung vermutlich im Wege gewesen.

Autorin/Autor: Stefan Schölermann
Stand: 29.10.2009 23:10
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