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Delikater Fall von Versicherungsbetrug

Justizbeamter mit niedersächsischem Dienstzeichen. © dpa - Bildfunk Fotograf: Friso Gentsch
große Bildversion anzeigen Der Angeklagte soll insgesamt 1,3 Millionen Euro hinterzogen haben. (Archivfoto)

Einem Familienvater und ehemaligen Versicherungsangestellten ist sein "Doppelleben" im Rotlichtmilieu zum Verhängnis geworden: Der 49-jährige Mann gestand am Donnerstag im Prozess vor dem Landgericht Hildesheim, als Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft in Hannover insgesamt 1,3 Millionen Euro aus fremden Lebensversicherungen abgezweigt zu haben. Mit dem Geld bezahlte der Vater einer Tochter über mehr als zwei Jahre zahlreiche Besuche in verschiedenen Bordellen in der Landeshauptstadt. Insgesamt geht es vor Gericht um 39 Fälle von Geldhinterziehung, in die auch zwölf Prostituierte eingeweiht gewesen waren.

Rücklagen sind schnell aufgezehrt   

Im November 2005 lernte der Angeklagte in einem Bordell im Steintorviertel in Hannover die Prostituierte "Jessy" kennen und verliebte sich in sie. "Er war ihr vollkommen hörig", sagte seine Verteidigerin Natascha Sëyfi am Rande des Prozesses. Zwei bis drei Mal in der Woche besuchte er die Frau. "Das hat in der Folge meinen Kapitalbedarf erhöht", sagte der 49-Jährige. Zuerst habe er nur ein paar Rücklagen aufgelöst, später seine wertvolle Plattensammlung verkauft.

Angeklagter nutzt "Lücke im System"

Als auch diese Reserven aufgebraucht waren, fing er an, eine "Lücke im System" der Versicherungsgesellschaft auszunutzen. Alle fälligen Lebensversicherungssummen, bei denen die aktuelle Anschrift des Berechtigten nicht ermittelt werden konnte, wurden nach seinen Angaben auf einem speziellen Konto gebucht. Die Versicherung habe sich nicht um diese Gelder gekümmert, erzählt der Angeklagte: "Wenn es keiner haben wollte, dann habe ich es halt genommen." Er fälschte Unterlagen und Unterschriften. Damit der Betrug nicht auffiel, ließ er das Geld nicht auf das eigene, sondern das Konto der Prostituierten überweisen. Mehrmals lief das "Spielchen" so ab, der Angeklagte und die Prostituierte teilten sich das Geld. Als einmal rund 80.000 Euro auf einen Schlag überwiesen wurden, brannte die Frau mit dem Geld durch.

Der Versicherungsangestellte war aber sowohl im Bordell als auch bei der Geldhinterziehung offenbar auf den Geschmack gekommen und setzte die Masche mit anderen Prostituierten fort. Gegen die meisten von ihnen laufen separate Verfahren. Einer 31-Jährigen soll der Angeklagte mit insgesamt 750.000 Euro den Großteil der Gesamtsumme von 1,3 Millionen Euro überwiesen haben. Sie sitzt ebenfalls in Hildesheim auf der Anklagebank.

Stand: 30.07.2009 17:15
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Maschsee in Hannover

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