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Mit der Trennung von Sportchef Dietmar Beiersdorfer ist Club-Chef Bernd Hoffmann im Machtkampf in der Führungsetage des Hamburger SV als klarer Sieger hervorgegangen. Allerdings könnte der gesamte Verein nach dem Kompetenz-Gerangel als großer Verlierer dastehen. Zehn Tage vor seinem Trainingsauftakt am 4. Juli droht der HSV im Chaos zu versinken. "Wir müssen das Schiff wieder flott kriegen", mahnte Aufsichtsratschef Horst Becker einen Tag nach dem mehrstündigen Krisengipfel am Dienstagabend, der in der Demission von Beiersdorfer geendet hatte. Denn die gesamte Saisonplanung des Bundesliga-Urgesteins, die ohnehin schon durch den überraschenden Weggang von Trainer Martin Jol zu Ajax Amsterdam erschwert wurde, ist durch den Streit zum Erliegen gekommen.
Zwar wurde mit Bruno Labbadia ein neuer Coach, aber bislang noch kein einziger Spieler verpflichtet. Wer Beiersdorfer in dieser sensiblen Phase der Saisonplanung ersetzen soll, ist ungewiss. Als erste Namen wurden bereits die beiden früheren HSV-Profis Nico Jan Hoogma und Thomas von Heesen, der frühere Schalke-Manager Andreas Müller sowie der langjährige Hertha-Macher Dieter Hoeneß gehandelt. "Wir können niemanden aus dem Hut zaubern. Aber wir müssen ganz schnell Ruhe in den Verein bringen", so Becker. "Es ist ein sehr schlechter Tag für den HSV. An so einem Tag gibt es keine Sieger. Aber es gibt Prozesse und Abläufe, die sind unausweichlich", meinte Hoffmann in einem Pressegespräch am Mittwoch. Der Vereins-Boss ist zunächst für die Transferaktivitäten zuständig und kann sich dabei auf den Rat von Ex-Spieler Sergej Barbarez stützen. Der Bosnier gehört seit fünf Monaten dem Aufsichtsrat des Vereins an. Über seine Rolle als möglichen Nachfolger für Beiersdorfer soll aber nicht gesprochen worden sein, versicherte Becker.
Beiersdorfers Abgang zeichnete sich für Becker bereits in der vergangenen Woche ab. "Ich hatte schon am vergangenen Freitag gespürt, dass es ganz, ganz schwer wird, Dietmar Beiersdorfer zu halten", gestand Becker. "Es ist seine Entscheidung. Er wollte nicht mehr. Alle Argumente haben nicht mehr geholfen." Die Forderung "entweder er oder ich" soll laut Becker aber nicht gestellt worden sein. Beiersdorfer selbst erklärte in der "Bild"-Zeitung seine Beweggründe: "Es gab aus meiner Sicht keine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die man benötigt, um den Club weiterzuentwickeln." Offensichtlich war der Sportdirektor, dessen Vertrag bis 2010 laufen sollte, die andauernden Querelen mit Hoffmann leid. Schon bei der Trennung von Ex-Trainer Thomas Doll, an dem Beiersdorfer länger festhalten wollte, lagen beide im Clinch.
Bei der 177-tägigen Suche nach einem Nachfolger für Huub Stevens hatte der abwägende und nachdenkliche Beiersdorfer grundsätzlich andere Vorstellungen als der impulsive Macher Hoffmann, ehe sich beide auf Jol einigten. Zuletzt soll Hoffmann die Kaderplanung mit Neu-Trainer Labbadia ohne Beiersdorfer besprochen haben. Durch den Abgang des Sportchefs hat Hoffmann seine Hausmacht nun erst einmal weiter gestärkt, damit aber gleichzeitig eine Spaltung des Vereins riskiert. Zum einen sollen Nachwuchs- und Scoutingabteilung weiter zu dem nun ehemaligen Manager stehen, zum anderen genießt Beiersdorfer aufgrund seines Auftretens und seiner Transferpolitik allerhöchste Anerkennung bei den Fans - im Gegensatz zu Hoffmann. "Es ist für mich schwer erklärbar, dass derjenige gehen muss, der für den sportlichen Erfolg steht. Dietmar Beiersdorfer ist eine echte Integrationsfigur", sagte Ralf Bednarek, Vorsitzender der Fan-Abteilung "Supporters".
Ein Kommentar von Britta Kehrhahn, NDR 90,3.
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