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Technik

1930-1945: Rundfunk im Zeichen der Propaganda

Der Hamburger Großsender

Der große Sendesaal in Hamburg wurde am 25. Oktober 1930 in Betrieb genommen, zum 1. Januar 1931 bezog die NORAG auch mit ihren Geschäftsstellen endgültig das neue Haus. Die Leistungszunahme aller Sender in Europa veranlasste die Deutsche Reichspost, am 13. August 1933 auch in Hannover-Hainholz einen stärkeren Sender einzusetzen. Mit Inbetriebnahme des Hamburger Großsenders am 14. Januar 1934 wurde der Sender Kiel abgeschaltet; lediglich in der Zeit vom 27. Januar bis 11. Februar 1934 sprang er wegen dringender Bauarbeiten am Hamburger Sender nochmals vorübergehend ein.

Madgeburg und Stettin übernehmen NORAG-Programm

Der 1928 errichtete Sender Magdeburg verbreitete zunächst das Programm der Funkstunde A.G., Berlin. Mit Inkrafttreten des Luzerner Wellenplans am 15. Januar 1934 aber änderte sich die Senderverteilung: Die Sender Magdeburg und Stettin übernahmen jetzt als Sender des "Norddeutschen Gleichwellennetzes" mit dem Muttersender Hannover bis 1945 das Programm aus Hamburg. Als letzter Sender des deutschen Großsendernetzes nahm am 15. Januar 1934 der 100-kW-Großrundfunksender Billwerder-Moorfleet, neun Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, den Betrieb auf.

1934: Umwandlung in "Reichssender"

Firmenschild des Reichsrundfunks, Sendestelle Hannover, mit Lettern in Fraktur. © NDR
große Bildversion anzeigen Reichs-Rundfunk, Firmenschild der Sendestelle Hannover.

Am 1. April 1934 wurden die privaten Programmgesellschaften aufgelöst und die Funkhäuser zu "Reichssendern" erklärt. Das nun abgestrahlte Programm in Norddeutschland lieferte der Reichssender Hamburg. Schon wenige Wochen nach der Machtübernahme hatten die Nationalsozialisten das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gegründet, das einen Rundfunk unter zentraler Leitung anstrebte. Einige Länder - darunter auch Hamburg - wehrten sich noch gegen die von Goebbels angestrebte Programmüberwachung - erfolglos. Das Reichsministerium bestimmte die Rundfunk-Richtlinien, und die ihm untergeordnete Reichs-Rundfunk-Gesellschaft übernahm die politische, wirtschaftliche, künstlerische und technische Gesamtleitung des deutschen Rundfunks.

Das "Bauvorhaben X" in Stolp

Am 1. Dezember 1938 erweiterte man das Norddeutsche Gleichwellennetz durch einen Sender in Stolp (Pommern). Dieser Sender ist dadurch interessant und einmalig geworden, dass seine Antenne einen Modellversuch für ein großes Projekt bildete. Zwei Fragen sollten geklärt werden: erstens, ob durch eine ausgedehnte Flächenantenne eine gute Schwundminderung erreicht und zweitens, ob durch veränderte Phasenlage der Einzelstrahler jedes beliebige Richtdiagramm erzeugt werden kann. Die erste Frage wäre für Langwellensender von Bedeutung gewesen, die zweite Frage für ein Vorhaben, das selbst heute noch utopisch erscheint: Das sogenannte "Bauvorhaben X" plante, auf dem Umfang eines Kreises von rund einem Kilometer Durchmesser zehn aktive Antennen, also jede mit einer Hochleistungs-Endstufe versehen, anzuordnen, um bei zentraler Ansteuerung durch entsprechende Phasen beliebige schwundfreie Richtdiagramme erzeugen zu können. Für den Modellversuch in Stolp genügte dazu ein einzelner, zentraler Sender. Durch den Kriegsbeginn sind diese Versuche nicht zum Abschluss gekommen, das "Bauvorhaben X" kam niemals zustande. So blieb die Antenne in Stolp die einzige ihrer Art.

"Rundfunksender Bremen" - der Propagandafunk aus Osterloog

Im Jahre 1938 erteilte die damalige Deutsche Reichspost der Firma Telefunken den Auftrag zum Bau einer Mittelwellen-Rundfunk-Senderanlage mit Standort Osterloog, die einem Sonderzweck dienen sollte. Da in England keine Werbesendungen im Rundfunk erlaubt waren, sollte diese Station an ein englisches Wirtschaftsunternehmen für Reklame, die Air Time Ltd., vermietet werden. Dementsprechend erhielt sie eine Richtstrahlantenne nach Westen. Bereits ein Jahr später war die Anlage fertiggestellt, konnte aber des Krieges wegen nicht mehr ihre Aufgabe übernehmen. Stattdessen übertrug der Sender, vorwiegend auch mit Rundstrahlung, Propagandasendungen; das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda hatte ihm den Namen "Rundfunksender Bremen" und dem eigentlichen Sender Bremen die Bezeichnung "Unterweser" gegeben.

Reichssender Flensburg überträgt noch in den letzten Kriegstagen

Militärisch anmutendes Fahrzeug mit ausschwenkbarer Stange an der Rückseite. © NDR
große Bildversion anzeigen Teleskop-Mastwagen, aufgenommen 1951.

Während des Krieges blieben auch die norddeutschen Sender vor Bombenangriffen nicht verschont. So wurden Stettin und Magdeburg völlig zerstört. Zum Kriegsende machte die deutsche Wehrmacht den Sender Hannover am 7. April 1945 unbrauchbar. Der Sender Flensburg war einer der wenigen, die von den Kriegsereignissen praktisch unberührt blieben. Als letzter noch in Betrieb befindlicher Sender übernahm er unter dem Namen "Reichssender Flensburg" vom 3. bis 8. Mai 1945 die Ansprachen der damaligen Reichsregierung. Am 3. Mai 1945 um 17.15 Uhr wurden die Übertragungsleitungen aus Hamburg unterbrochen. Daraufhin stellte das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) einen Übertragungswagen der Reichsmarine zur Verfügung, der auf dem Hof des Postamtes Flensburg parkte. Ab 19.25 Uhr wurde aus dem als Besprechungsraum dienenden Erfrischungsraum des Fernmeldeamtes Flensburg übertragen. Zur Unterstützung des Senders hatte man im Mai 1945 in Schafflund den fahrbaren Sender V aufgestellt, der auf der Langwelle 191 kHz (1571 m) lief, die an dem im April 1945 durch Bombenschaden ausgefallenen Deutschlandsender in Herzberg frei geworden war.

Mai 1945: Militärregierung übernimmt Kontrolle übder die Sender

Am 3. Mai 1945 wurde abends der Sendebetrieb am Großsender Hamburg eingestellt und tags darauf um 19 Uhr als "Radio Hamburg", der erste "Sender der britischen Militärregierung" wieder aufgenommen. Fünf Tage zuvor, am 28. April 1945 musste der Sender Bremen wegen Stromausfalls den Betrieb einstellen. Im Juni 1945 übernahm die Besatzungsmacht diesen Sender für das AFN-Programm. Die Rundfunkversorgung für die Bremer Bevölkerung erfolgte vom 23. Dezember 1945 an über eine Neuanlage als "Radio Bremen - Sender der Militärregierung".

Weitere Informationen
Mikrofone beim NDR. © NDR

Chronik des Rundfunks in Norddeutschland

Die wichtigsten Entwicklungsschritte von 1923 bis heute im Überblick.

Reichssender Hamburg: Rundfunk unter NS-Aufsicht

Am 1. April 1934 wurden die Funkhäuser zu Reichssendern.

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