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Von Sofie Donges, NDR Info
Wie viel Geld haben Sie gerade in einen Aktienfonds gesteckt? Das erzählen Sie bestimmt nicht jedem. Wohl auch nicht, wie hoch Ihre Lebensversicherung ist. NDR Info sind solche Daten zugespielt worden: 27.000 Datensätze des Finanzdienstleisters AWD aus Hannover - Namen, Adressen, Geburtstage und Berufsbezeichnungen von Kunden. Von der einfachen Hausratversicherung bis hin zu Details über Geldanlagen - alles dabei. Insgesamt über 60.000 Vertragsangaben mit AWD liegen NDR Info vor. Wann der Vertrag abgeschlossen wurde, wie lange er läuft und wie viel der Kunde zahlt - alles aufgeschlüsselt in einer langen Excel-Tabelle.
Auch wenn die Daten einige Jahre alt sind, ein großer Teil der Verträge läuft noch - und genau das macht den Datensatz interessant. "Da sind Versicherungssummen drin, Ablaufdaten. Jetzt weiß man, am so- und sovielten September oder Dezember eines Jahres läuft ein Vertrag aus und dann könnte man gezielt dort anrufen und sagen: Sie kriegen da jetzt Geld ausgezahlt, was wollen Sie damit machen, wollen Sie es neu anlegen", sagte der Informant, der nicht erkannt werden möchte, zu NDR Info.
AWD hat bestätigt, dass es sich um Daten seiner Kunden handelt. Das Unternehmen hat nach Angaben eines Sprechers sofort die Staatsanwaltschaft Hannover eingeschaltet und Anzeige gegen unbekannt gestellt. Zu weiteren Angaben sah sich der Konzern noch nicht in der Lage. Aus dem näheren Umfeld von AWD heißt es, dass ein einzelner, lokaler Berater kaum Zugriff auf eine solch große Anzahl von Kundenangaben haben könne. Das sei nur für hochrangige Mitarbeiter möglich gewesen.
"Die Daten sind mir von einem AWD-Landesdirektor gegeben worden. Der Zweck war einfach, Kundenakquise daraus zu betreiben. Diese Daten wurden als Basis genommen um Kunden zu werben - auch für Versicherungen, Kapitalanlagen und so weiter", erklärte der Informant.
Die Kundendaten stammen fast alle aus Nordrhein-Westfalen, aber es gibt auch einige norddeutsche Adressen - zum Beispiel die von Christof Hardmeier aus Greifswald. Zusammen mit seiner Frau hat er zehn Verträge bei dem Finanzdienstleister abgeschlossen - darunter auch zwei Lebensversicherungen. "Das ist heftig, das ist auf Deutsch gesagt eine Sauerei, dass hier Daten von meiner Lebensversicherung und von der Lebensversicherung meiner Frau öffentlich zugänglich sind und mir hier vom Norddeutschen Rundfunk vorgelegt werden. Der Datenschutz ist hier grob verletzt, das ist Geheimnisverrat. Und das ist ein Vertrauensverlust in die Finanzwirtschaft", sagte Hardmeier.
Besonders ärgerlich für die betroffenen Kunden: Sind Daten einmal im Umlauf, kann man sie nicht mehr zurückholen. Sie verbreiten sich völlig unkontrolliert. Der Landesdatenschutzbeauftragte von Niedersachsen, Joachim Wahlbrink, räumte ein, dass Kunden kaum Möglichkeit hätten, sich dagegen noch zu wehren. Sollte es sich bestätigen, dass die Daten direkt aus der Firma kamen und nicht etwa durch ein Callcenter in Umlauf gebracht wurden, dann sei dieser Fall von besonderer Bedeutung.
Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, der SPD-Politiker Sebastian Edathy, betonte im Gespräch mit NDR Info, jedes Unternehmen, das sensible Daten besitze, müsse entsprechend verantwortungsvoll damit umgehen. Er könne nur an die Wirtschaft appellieren, Datenschutz nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Edathy forderte die AWD-Spitze auf, aus dem jüngsten Vorfall entsprechende Konsequenzen zu ziehen.
Ein Jahr nach dem Datenskandal in Kiel deckt NDR Info auf, wie leicht es ist, an geschützte Informationen zu kommen. (Meldung vom 12.08.2009)
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