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In Osnabrück werden weiter Autos gebaut. Volkswagen übernimmt Teile des insolventen Zulieferers Karmann, wie VW und die Gewerkschaft IG Metall am Freitag mitteilten. In den kommenden Wochen soll eine neue Volkswagen-Tochtergesellschaft gegründet werden, die ab 2011 in Osnabrück Fahrzeuge produzieren soll. Geplant ist, bis 2014 mehr als 1.000 Arbeitsplätze aufzubauen. VW erwirbt von Karmann Maschinen, Anlagen und Grundstücke. Die neue Volkswagen-Osnabrück GmbH soll Werkzeugbau, Presswerk, Lackiererei, Montage und weitere Bereiche umfassen. "Die Zeit der schlechten Nachrichten ist vorbei", sagte der stellvertetende Karmann-Betriebsratsvorsitzende Gerhard Schrader in einer ersten Reaktion.
Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen liegt der Kaufpreis dem Vernehmen nach bei rund 39 Millionen Euro und damit weit unter den ursprünglichen Preisvorstellungen der Karmann-Eigner. Die seien mit ihren viel zu hohen Forderungen verantwortlich dafür, dass die Entscheidung für viele Beschäftigte zu spät komme, kritisierte Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine.
Nach Angaben von Meine gibt es eine Grundlagenvereinbarung zwischen der Gewerkschaft und VW, die einstimmig gebilligt wurde. "Es waren sehr harte Verhandlungen, in denen wir aber letztlich einen Teilerfolg, mit Licht und Schatten, erzielen konnten: Osnabrück bleibt dank des Engagements von Volkswagen Automobilstandort und bietet Beschäftigungsperspektiven für die Menschen in der Region." Die noch bei Karmann unter Vertrag stehenden knapp 900 Mitarbeiter sollen nicht direkt in die neue VW-Gesellschaft übernommen werden. Sie können sich aber offenbar gute Chancen auf einen Job an alter Wirkungsstätte ausrechnen: "Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter der Firma Karmann verfügen über langjährige Erfahrung in der Produktion von Kleinserienmodellen, auf die entsprechend des Bedarfs zurückgegriffen werden soll", erklärte VW nach einer Sitzung des Aufsichtsrates.
Der Karmann-Betriebsratsvorsitzende Schrader äußerte ebenso wie der niedersächsische SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner die Hoffnung, dass möglichst viele jetzige und ehemalige Karmann-Beschäftigte vom neuen Eigentümer einen Arbeitsplatz erhalten.
Kurzfristig werden bereits im kommenden Jahr rund 200 Spezialisten zum Anlauf und zum Projektstart benötigt. Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen sollen sie die Montage des VW Golf Cabrio VI vorbereiten. Insider vermuten, dass sich die künftige VW-Tochter auch um den neuen Porsche Boxter und den Porsche Cayman bewerben wird. Wie die IG Metall mitteilte, verdienen die neuen Mitarbeiter in Osnabrück zunächst weniger Geld als andere VW-Arbeiter. Bis Ende 2014 wird demnach ein Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen, mit dem die Beschäftigten auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Ab 2015 soll der Flächentarifvertrag dann auch in Osnabrück ohne Abstriche gelten, wie die IG Metall erklärte.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) zeigte sich erleichtert, dass der Automobilstandort Osnabrück nach jahrelangen Bemühungen durch das Engagement von VW nunmehr gerettet ist. "Die Automobilinnovationsschmiede in Osnabrück wird Entwicklung, Serienfertigung, Karossenfertigung und Komplettfahrzeugbau betreiben", sagte Wulff am Freitag in Hannover. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte: "Es ist gut, dass es für Osnabrück wieder eine Perspektive für den Automobilbau und damit für Beschäftigung gibt."
Karmann-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann sprach von einem "guten Tag für Osnabrück". Er lobte besonders das Engagement von Ministerpräsident Wulff, der stets an eine Perspektive für den Automobilstandort Osnabrück geglaubt habe.
Das Arbeitsgericht Osnabrück verhandelt die Klagen von knapp 1.000 entlassenen Mitarbeitern. (Meldung vom 10.11.2009)
Knapp 500 freigestellte Karmann-Mitarbeiter müssen offenbar demnächst Arbeitslosengeld beantragen. (Meldung vom 08.11.2009)
Ein verdeckter Ermittler soll die Mitarbeiter des angeschlagenen Autobauers Karmann bespitzelt haben. Der Betriebsrat nannte das eine "Ferkelei". Doch offenbar war dies kein Einzelfall.
Hintergrund ist ein Streit um nicht bezahlte Rechnungen. (Meldung vom 03.11.2009)
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